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So ist es kein Wunder, daß die Spam-Problematik nicht nur Internet-Neueinsteiger, sondern auch
langjährige Nutzer überrascht hat. Noch vor wenigen Jahren konnte man seine
E-Mail-Adresse fast bedenkenlos überall angeben. Heute sind die alten E-Mail-Adressen spamverseucht.
Der Traum von der leicht merkbaren lebenslang gültigen E-Mail-Adresse ist ausgeträumt. Um der
steil ansteigenden Spam-Flut Herr zu werden, muß man seine E-Mail-Adresse in immer kürzer werdenden
Abständen wechseln.
Eine Waffe im Kampf gegen Spam: E-Mails filtern
Das Filtern von E-Mails, das von vielen als Kampf gegen Spam betrieben wird, gleicht einem
Wettlauf zwischen Hase und Igel. Denn der Einfallsreichtum der Spam-Versender, wie sie gängige
Filterregeln umgehen, kennt schier keine Grenzen. Zudem läuft man bei der Anwendung von Filtern
Gefahr, auch solche Mails auszusortieren, die man eigentlich lesen sollte. Spätestens, sobald die
eigene E-Mail-Adresse als allgemeiner Kontakt auf der Homepage steht, kann man eigentlich alle
gängigen Filterregeln vergessen. Der private Bekanntenkreis hält sich vielleicht noch an Regeln
wie z.B. die Forderung, immer einen aussagekräftigen Betreff zu verwenden oder Mails nicht im
Format HTML zu verschicken. Personen, die zufällig auf meiner Homepage
landen und mir eine Rückmeldung dazu geben wollen, halten sich meiner Erfahrung nach an solche
Regelungen so gut wie gar nicht.
Auch die Absenderadresse ist kein Kriterium, um erwünschte von unerwünschten Zusendungen zu
unterscheiden. Denn die Absenderadresse einer E-Mail läßt sich genauso leicht fälschen wie die
Kennung eines Faxgeräts oder die Absenderadresse auf einem gewöhnlichen Brief. Spam-Versender
geben meistens als Absender keine Adresse an, unter der sie per E-Mail erreichbar sind.
Denn der Empfänger soll in der Regel nicht per E-Mail an die
Absenderadresse antworten, sondern per Telephon oder Briefpost etwas bestellen, eine bestimmte Webseite
ansteuern oder (in Übersee) eine 1-900er-Rufnummer bzw. (in Deutschland) eine 0900er-Rufnummer anrufen.
Der Screenshot weiter unten auf der Seite zeigt eine Momentaufnahme meines Posteingangsordners
vom Januar 2002. Es handelt sich um mein normales E-Mail-Postfach, das ich mir 1997 eigentlich mit
der Zielsetzung einer lebenslang gleichbleibende E-Mail-Adresse eingerichtet hatte.
Perfide Methoden und Inhalte
Zuweilen haben die Spam-Mails, die ich erhalte, als Absender sogar meine eigene Mailadresse.
Einige Male pro Jahr bekomme ich ein paar Tage lang zahlreiche Fehlermeldungen zu Mails
an nicht mehr existierende Adressen, die ich angeblich angeschrieben haben soll. Tatsächlich hat der
wahre Versender meine Adresse als Absender eingetragen.
Die Tatsache, daß sich bei entsprechender Kenntnis der Protokolle die Absenderadresse einer
E-Mail genauso einfach fälschen läßt wie die Absenderangabe auf einem herkömmlichen Brief, wird
von den Spam-Versendern weidlich ausgenutzt. Sie benutzen ihre Adreßdatenbanken nicht nur für die
Empfänger der Mails, sondern auch für die Absender. Als Folge daraus erscheinen völlig unbeteiligte
Personen plötzlich als Absender von Spam-Mails.
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Vertrauenswürdigkeit von Absenderangaben
Die Formulierung "Absenderanadresse fälschen" ist eigentlich nicht engebracht. Denn fälschen kann
man nur etwas, das normalerweise eine gewisse Echtheit repräsentiert. So kann man beispielsweise
amtliche Urkunden, Geldscheine oder Unterschriften fälschen.
Doch die Absenderadresse einer E-Mail ist einfach nur ein beliebiger Text mit dem Zeichen "@". Daß
er frei nach Phantasie gewählt werden kann, zeigt eine nähere Betrachtung des zum Transport von
E-Mails benutzten Protokolls SMTP, die ich durchführe auf der Seite
http://www.daniel-rehbein.de/rfc2821.html
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Und leider gibt es nicht wenige Internet-Nutzer, die der Absenderkennung einer E-Mail, die auf dem
Bildschirm angezeigt wird, vertrauen als wäre es ein amtliches Dokument. So werden völlig unbeteiligte
Personen, die der Spam-Versender zufällig aus seiner Adreßliste ausgewählt und als Absender eingetragen
hat, plötzlich mit Unzustellbarkeits-Meldungen, Beschimpfungen und Klageandrohungen überzogen.
Im herkömmlichen Briefverkehr würde keiner einem Brief glauben, der beispielsweise für Viagra
wirbt und Lieschen Müller als Absender trägt, und als Reaktion einen Brief mit einer wüsten Beschimpfung
an Lieschen Müller schreiben. In der Internet-Welt sind die Zusammenhänge leider nicht so transparent und mit
den Händen begreifbar.
Auch in einem anderen Punkt wissen die Spam-Versender die Unterschiede zwischen Online- und
Offline-Welt für sich auszunutzen: Besonders gemein an der Werbung durch E-Mails im Gegensatz zu
anderen Werbeformen ist die Tatsache, daß der Empfänger einer E-Mail nicht nur dazu aufgefordert wird,
etwas bestimmtes zu tun (ein Produkt zu kaufen, eine Dienstleistung zu bestellen), sondern daß
unerfahrenen oder unaufmerksamen Anwendern mit E-Mail auch Software untergeschoben werden kann. Ein
unüberlegter Klick im E-Mail-Programm genügt, um ein
Programm, das der E-Mail beigefügt ist, zu installieren. Dieses Programm kann dann z.B. unbemerkt
vom Anwender Verbindungen zu teuren 0900er-Nummern aufbauen.
Will man wissen, welchen Weg eine E-Mail tatsächlich genommen hat, so muß man in die technischen
Daten hineinschauen. Denn zusätzlich zu ihrem Inhalt und ggf. beiliegenden Dateien hat jede E-Mail
auch noch eine technischen Datensatz, den sogenannten Header.
Ähnlich wie man bei einem Brief als Absender jede beliebige Adresse draufschreiben kann, der
Empfänger dann aber doch anhand des Poststempels eines ungefähre Ortsangabe ermitteln kann, so
kann in einer E-Mail zwar eine frei erfundene Absenderangabe stehen, aber die Headerzeilen verraten
ähnlich dem Poststempel eines Briefes, welchen Weg die E-Mail genommen hat. Im günstigsten Fall kann
man daran ablesen, welcher Teilnehmer die E-Mail tatsächlich abgeschickt hat.
Bei der Einführung in diese Thematik habe ich dargelegt,
daß die gerichtliche Klage eines Einzelnen gegen den Versender einer Werbemail zwar meistens Erfolg
hat, aber eigentlicht nichts ändert. Deswegen hat sich das Verfahren bewährt, nicht gegen den
Versender des Spam zu klagen, sondern sich bei dessen Internet-Provider zu beschweren. Wenn von zahlreichen
Personen übereinstimmende beschwerden beim Provider eintreffen und wenn dieser auf seinen guten Ruf
bedacht ist, so wird er den Vertrag mit seinem Kunden, der sich als Spam-Versender herausgestellt hat,
kündigen.
Versteckspiel der Spam-Absender
Allerdings ergibt die Analyse der Headerzeilen meistens, daß die jeweilige Mail von einem Absender
außerhalb Deutschlands abgeschickt worden ist, z.B. in Lateinamerika, Südafrika oder Taiwan. Denn im
Gegensatz zu klassischen Briefpost hat der Absender einer E-Mail kaum Mehraufwand, wenn er seine Post
nicht in seinen heimischen Briefkasten, sondern in einen Briefkasten am anderen Ende der Welt
einwirft. Diese "Briefkästen am anderen Ende der Welt", die ein Spam-Versender benutzt, sind falsch
konfigurierte E-Mail-Server, sogenannte offene Relays, die ohne Prüfung einer Zugangsberechtigung
von jedermann Mails annehmen und diese dann zustellen. Die Analyse der Headerzeilen der Mails endet
dann bei dem jeweiligen Server, ohne daß man dort an brauchbare Informationen kommt.
Der nächste Anhaltspunkt für die Analyse von Spam ist der Inhalt der Mail. Wird darin für eine
bestimmte Webseite oder eine 0900er-Nummer geworben, so kann man herauszubekommen versuchen, wem
diese gehört. Doch auch dies gestaltet sich schwierig: Sowohl viele halbseidene Internet-Anbieter
als auch die Betreiber teurer Telephondiensten verstecken sich häufig hinter einem kaum zu
durchschauendem Dickicht von Weiter- und Untervermietungen, so daß der wahre Schuldige kaum herauszubekommen ist.
An die Adressenhändler herankommen!
Deshalb erläutere ich auf diesen Webseiten eine andere Vorgehensweise: Man muß herausfinden, von wem
die Adressen eingesammelt worden sind.
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