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Aus meinem Bücherregal

Der Struwwelpeter


Der Struwwelpeter kann wohl zu Recht als ein Klassiker der deutschen Literatur betrachtet werden. Es gibt kaum jemanden, der noch nicht von diesem Buch gehört hat, und zahlreiche Parodien und Adaptionen zeugen von der Auseinandersetzung mit diesem Werk.

Bezeichnungen wie Zappelphilipp, Hans-guck-in-die-Luft oder Suppenkaspar, die Heinrich Hoffmann mit dem Struwwelpeter geprägt hat, sind heute geläufige Begriffe in der Alltagssprache.

Der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann schrieb den Struwwelpeter im Jahr 1845, nachdem er im Jahr zuvor kein Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn Carl gefunden hatte. Ursprünglich hatte er vor, seinem Sohn ein Bildbuch zu kaufen, jedoch erschienen ihm die damals für Kinde gemachten Bücher mal zu langatmig, mal zu albern, und zudem waren sie häufig von Moral und Ermahnungen durchsetzt.

Heinrich Hoffmann schrieb deshalb ein Bilderbuch, in dem es zwar um das Verhalten von Kindern geht, in dem aber keine Moralpredigten gehalten werden, und in dem nicht mit dem erhobenen Zeigefinder argumentiert wird. Statt dessen zeigt er kleinen Episoden auf, welches Verhalten zu welchen Konsequenzen führt.

Heuzutage wird zuweilen kritisiert, daß Heinrich Hoffmann in seinem Werk teilweise psychische Erkrankungen als negatives und zu bestrafendes Verhalten auslege. Insbesondere der Zappelphilipp gilt heute als Negativbezeichnung für Kinder mit Hyperaktivität.

Tatsächlich aber ist deutlich zu erkennen, daß nur in wenigen Geschichte im Struwwelpeter tatsächlich jemand bestraft wird. In den meisten Episoden wird dagegen ganz ohne moralische Wertung ein Handungsablauf beschrieben. Dem jeweiligen Protagonisten wiederfährt zwar aufgrund seiner Verhaltensauffälligkeit Unbill, aber meistens wird ihm von seinen Mitmenschen geholfen.

So fällt Hans-guck-in-die-Luft duch seine Unaufmerksamkeit in einen Wassergraben, aber niemand schimpft mit ih, niemand ermahnt mit erhobenem Zeigefinger, statt dessen sind hilfsbereite Menschen zu stellen, die ihm aus dem Wasser helfen. Die Junge Pauline spielt in Abwesenheit ihrer Eltern mit Zündhölzern und setzt sich dabei selbst in Brand. Sie verbrennt schließlich, doch keiner sagt "Selbst schuld!", sondern ihr Tod wird mit bitteren Tränen beweint. Der Zappelphilipp schaukelt bei Tisch auf
seinem Stuhl herum und reißt schließlich das Tischtuch mit sämtlichem Gedeck in Boden. Niemand schimpft mit ih, niemand holt Rohrstock oder Rute (ganz anders als etwa bei "Vater und Sohn" von Erich Ohser), die Eltern bedauern einfach nur, daß das Essen nun verdorben ist. Ja, es wird niemandem explizit die Schuld gegeben.

So kann man sich durchaus auch Fragen, ob der Struwwelpeter nicht in vielen Episoden eher Handlungsanweisungen an die Eltern als an die Kinder gibt. So kann man beispielsweise den Eltern des Zappelphilipps vorwerfen, trotz Wissens um das Verhaltens ihres Sohnes eine viel zu große Tischdecke aufgelegt zu haben. Auch die Geschichte vom wilden Jäger, dem vom Hasen das Gewehr entwendet wird, ist sicherlich keine Verhaltensempfehlung für kleine Kinder, sondern eher für die Erwachsenen.

Verwandte Themen: Marie Marcks, Ada Lovelace, Liebeslesebuch, Fernsehen 1954

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