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Aus meinem Bücherregal

Hetero-Normativität und Geschlechterrollen


Ich bin wieder mit der Eisenbahn gefahren und habe dabei das Kundenmanagzin der Deutschen Bahn AG, die Zeitschrift "DB mobil" gelesen. Das Heft macht den Eindruck eines Lifestyle-Magazins, es wurde mit der Ausgabe 03/2016 sogar einem Facelift unterzogen, es ist in neuem Layout erschienen und zum Teil mit neuen Kolumnen.

Gerade in diesem Heft, der März-Ausgabe 2016, fällt mir besonders ins Auge, wie sehr doch in der Öffentlichkeit in Deutschland (oder speziell bei den Redakteuren der Deutschen Bahn AG) die traditionallen Geschlechterrollen, die Heterosexualität und die Monogamie in der Gedankenwelt verankert sind.

In dieser Ausgabe des Magazins werden u.a. unterschiedliche Partnerbörsen vorgestellt, ein Kolumnist berichtet über interessante Begegnungen bei Bahnreisen, und es wird der beginnende Frühling illustriert. In allen Artikel wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, daß die beteiligten Personen einen Partner des jeweils anderes Geschlechts haben bzw. suchen, und daß sie monogam leben.

Man spricht allgemein von Hetero-Normalivität, wenn in unserer Gesellschaft die gemischt-geschlechtliche Liebe zur Norm erklärt wird. Doch hier geht es noch ein Stück weiter: Alles andere ist nicht etwas nur nicht die gesellschaftliche Norm, sondern es kommt überhaupt gar nicht erst vor. Es wird gar nicht erst in Betracht gezogen, daß beispielsweise bei einer Partnerbörse jemand auch einen Menschen desselben Geschlechts suchen könnte. Es gibt nicht mal einen Nebensatz, der erkennen läßt, daß dies auch der Fall sein kann, nicht mal eine Fußnote, die erwähnt, daß der Artikel ausschließlich Heterosexualität behandelt.

Genauso verhält es sich mit der Monogamie: Der Kolumnist, der im Jahr 2016 in Deutschland, also durchaus in einer freien und aufgeklärten Zeit mitten in der westlichen Welt mit ihrer Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe, im Zug einer völlig fremden Frau begegnet, wundert sich nicht, daß diese ihn spontan als monogamen und heterosexuellen Mann einstuft. Es sieht so aus, als ist in seiner Welt, als ist in der ganzen Welt des Magazins "DB mobil" überhaupt nichts anderes denkbar.

Auch die Seiten, die sich speziell an Kinder richten, bleiben in der Welt der traditionallen Geschlechterrollen, die wir doch eigentlich in unserer Gesellschaft schon längst überwunden zu haben glaubten: So bekommt die Kunstfigur "Der kleine ICE" nun eine
Freundin zur Seite gestellt, "Ida IC". Diese neue Freundin wird auf der Kinderseite als die erste weibliche Freundin des "kleinen ICE" vorgestellt.

Bei der Figur "Der kleine ICE" handelt es sich um eine kleine niedliche Spielzeugfigur, nachgeahmt einem ICE-Triebkopf, kindgerecht mit einem Gesicht versehen und in eine geschwungene Form gebracht, die im Zug zuweilen vom Zugbegleiter an kleine Kinder verschenkt wird, die man aber auch im Paket mit anderen Spielsachen der Deutschen Bahn AG kaufen kann.

Es überrascht, daß diese Spielzeugfigur, die doch einen Eisenbahnzug, den Intercity-Express, darstellen soll, einem biologischen Geschlecht zugeordnet wird. Warum wird den Kindern erzählt, daß es sich bei "Der kleine ICE" um einen Jungen handelt? Und warum braucht der dann "Ida IC" als weibliche Freundin mit roten Schleifchen im Haar, die ihn anhimmelt?

Der Text auf der Kinderseite verweist auf Comics, die die Deutsche Bahn AG im Internet veröffentlicht. Und tatsächlich werden dort die längst überkommenen traditionellen Geschlechterrollen den Kinder noch intensiver eingeimpft:

"Der kleine ICE" ist ein Draufgänger, der durch die Gegend rast, um seine Freundin zu beeindrucken. Und diese Freundin, "Ida IC", ist süß und niedlich, verzeiht im alle seine Fehler und läßt sich von ihm umwerben. Und während "Der kleine ICE" auch alleine Abenteuer erlebt, kommt "Ida IC" nur als Zusatzfigur vor. Das Mädchen bleibt letztlich ein Stichwortgeber für die aufregenden Abeuteuer, die der Junge erlebt. Das Mädchen ist hier nur schnödes Beiwerk, ein schmückendes Element in der Welt der großen Jungs.

Man könnte sich darüber amüsieren, doch schlußendlich ist es traurig, daß die Deutsche Bahn AG noch im Jahr 2016 der heranwachsenden Generation dieses Bild vom Verhältnis der Geschlechter und von der Rollen der Mädchen und Jungen in der Gesellschaft vermittelt.

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